Taubblindheit in Hessen
"Aufklären, finden, inkludieren"

Taubblinde Menschen stehen bei der Bewältigung ihres Alltags im Sinne von selbstbestimmter Lebensführung und gleichberechtigter Teilhabe am Leben in der Gesellschaft vor großen Herausforderungen – aber auch das Unterstützungssystem für taubblinde und stark hörsehbehinderte Menschen ist gefordert. Experten/Expertinnen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da von den Betroffenen den auf Taubblindarbeit spezialisierten Unterstützungssystemen oder den zuständigen Leistungsträgern nur ein Bruchteil bekannt ist.

 

Herausforderungen für Menschen mit Hörsehbehinderung

 

Der Verlust des einen Sinnes kann nicht mehr durch den anderen ausgeglichen werden, die Auswirkungen addieren sich nicht, sie potenzieren sich. Es entsteht ein spezifischer und hoher Unterstützungsbedarf, der sich deutlich vom Unterstützungsbedarf "nur" blinder oder gehörloser Menschen unterscheidet und über diesen hinausgeht. Spezifische Unterstützungsleistungen wie z.B. Taubblindenassistenz sind für die Betroffenen in Hessen besonders schwer oder nicht zugänglich. Unterstützung ist bereits erforderlich, um Unterstützung zu beantragen und das ohne flächende­ckende kompetente Beratungsangebote. So kommt es selten zur Antragstellung und die meisten Betroffenen leben ohne Rehabilitationsmaßnahmen, ohne Assistenz, oftmals mit nur sehr weni­gen Hilfsmitteln isoliert und abgeschnitten von Gesellschaft und Information in ihren Familien und sind nicht selten völlig abhängig. Die wichtigste Form der Unterstützung - eine geschulte Taubblindenassistenz, die Mobilität und Kommunikation ermöglicht - ist nahezu unzugänglich, da dieses Berufsbild gerade erst entsteht und es in Hessen ca. 4 ausgebildete Taubblindenassistent/innen gibt, die diese Arbeit in der gro­ßen Mehrheit nebenberuflich und ehrenamtlich leisten. Dringend notwendige Rehabilitationsan­gebote, um den Alltag bewältigen zu können, fehlen weitgehend.

 

Projektziele und Herangehensweise

 

Ziel ist eine Bedarfserfassung taubblinder und stark hörsehbehinderter Menschen in Hessen. Da die Mehrheit taubblinder und stark hörsehbehinderter Menschen sehr isoliert lebt, ist es auch schwierig, diese Menschen zu erreichen, zu finden, um Bedarfe zu erheben. Um die Bedarfe zu erheben, müssen deshalb zunächst geeignete Aufklärungsmaßnahmen getroffen werden, um Hinweise auf taubblinde Menschen zu erhalten. Erst dann ist es möglich, die aktuellen Lebenssituationen anonymisiert zu erfassen, den Unterstützungsbedarf zu beschreiben und die Ergebnisse bereit­zustellen. Verzichtet man hierauf, so kann man nur die Bedarfe der noch - beispielsweise in den Selbsthilfevereinen - integrierten Menschen beschreiben. Viele taubblinde Menschen haben keine Möglichkeit, sich zu informieren, kennen die Möglichkeiten nicht und sind auch ohne Unterstützung nicht in der Lage, Hilfe zu beantragen. Ein weiteres Ziel muss es darüber hinaus sein, die gefundenen Personen im zweiten Schritt darin zu unterstützen, mehr Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit und Teilhabe zu erlangen. In diesem Sinne sollen die vorhandenen Angebote für Beratung, Rehabilitation, Taubblindenassistenz sowie die Angebote der Selbsthilfe betrachtet werden. Es wird eine Analyse der vorhandenen Unter­stützungsstrukturen sowie eine Empfehlung zum Aufbau erforderlicher Angebote erarbeitet, die auch Personen im Umfeld von taubblinden Menschen mit einbeziehen.


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