Taubblindheit in Hessen
"Aufklären, finden, inkludieren"

Taubblinde Menschen stehen bei der Bewältigung ihres Alltags in der Gesellschaft vor großen Herausforderungen. Dazu zählen Mobilität, Orientierung und natürlich Kommunikation. Eine selbstbestimmte Lebensführung und eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe sind für die Betroffenen sehr schwierig.

Im Gegensatz zu blinden oder gehörlosen Menschen können Taubblinde die Funktionseinschränkung eines Fernsinns nicht durch den jeweils anderen Sinn ausgleichen. Die Auswirkungen addieren sich nicht, sie potenzieren sich. Es entsteht ein spezifischer und hoher Unterstützungsbedarf, der sich deutlich vom Unterstützungsbedarf "nur" blinder oder gehörloser Menschen unterscheidet und über diesen hinausgeht. Allerdings ist dieser konkrete Bedarf bisher noch nicht bekannt und klar definiert. Das Unterstützungssystem für taubblinde und stark hörsehbehinderte Menschen ist stark gefordert.

Spezifische Unterstützungsleistungen wie z. B. Taubblindenassistenz sind für die Betroffenen in Hessen besonders schwer oder gar nicht zugänglich. Unterstützung ist bereits erforderlich, um Unterstützung zu beantragen, und das ohne flächendeckende kompetente Beratungsangebote. Die wichtigste Form der Unterstützung - eine geschulte Taubblindenassistenz, die Mobilität und Kommunikation ermöglicht - ist nahezu unzugänglich, da dieses Berufsbild gerade erst entsteht. In Hessen gibt es nur vier ausgebildete Taubblindenassistent/inn/en, die diese Arbeit primär nebenberuflich oder ehrenamtlich leisten. Dringend notwendige Rehabilitationsangebote, um den Alltag bewältigen zu können, fehlen weitgehend.

Aktuell liegen keine geprüften und bestätigten Zahlen vor, wie viele taubblinde oder von einer starken Hörsehbehinderung betroffene Menschen in Hessen leben. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Taubblind NRW und dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration hat die Frankfurter Stiftung im August 2018 das Projekt „Taubblind in Hessen“ gestartet. Das Projekt läuft bis Ende 2019 und wird vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration voll gefördert.

Projektinhalte sind sowohl eine qualitative Erhebung der Situation taubblinder oder stark hörsehbehinderter Menschen als auch eine quantitative Erhebung darüber, wie viele Menschen in Hessen von Taubblindheit betroffen sind. Zur Erforschung des qualitativen Bedarfs werden im Laufe der Projektlaufzeit ca. 50 Betroffene durch ausgebildete Taubblindenassistentinnen interviewt.

Das quantitative Ausmaß soll durch folgende Maßnahmen gewonnen werden:

- Auswertung evtl. vorhandener Erhebungen z. B. beim Landeswohlfahrtsverband Hessen, in Schulen für Seh- und Hörbeeinträchtigte, in Einrichtungen zur sozialen und beruflichen Integration, in Altenheimen u. ä.

- Befragungen von Experten/Expertinnen aus den genannten Institutionen, aus den Verbänden der Seh- und Hörbeeinträchtigten oder aus Selbsthilfegruppen 

Anhand dieser Daten sollen erste Empfehlungen für den Aus- und Aufbau notwendiger Dienstleistungsangebote, Rehabilitationen und Beratungsangebote entwickelt werden, die Ausbildungen zur Taubblindenassistenz einschließen.

Projektziel ist es, Eckpunkte für eine soziale, berufliche und gesellschaftliche Integration taubblinder Menschen in Hessen zu benennen, die auch die Personen im Umfeld taubblinder Menschen miteinbeziehen.

Zeichnerische Darstellung des Lorm-Alphabets, das Taubblinden die Kommunikation über das Betasten der Handinnenfläche ermöglicht


Ihre Ansprechpartnerin

Projektmitarbeiterinnen

Katrin Pfeifer

Katrin Pfeifer

Isabelle Horand

Isabelle Horand

Susanne Hedrich

Susanne Hedrich