Expertenecke

Im Juni 2009 machte die Markteinführung der "Bedienungshilfen" bei allen seither eingeführten Mobilgeräten von Apple auch die Zugangshilfe "Voiceover" zu einem bis heute gültigen Weltstandard. Aber auch ein Weltstandard kann manchmal zur Nervensäge mutieren, wenn er sich - im Falle Voiceover mit gesprochenen Worten - genau dann meldet, wenn dies nun gerade gar nicht passt, z. B. während eines Meetings.

Einfach weghören und den tönenden Fauxpas schlicht aussitzen? Nicht wirklich prickelnd. Das iPhone aus der Tasche kramen und komplett ausschalten? Auch nicht immer sinngebend.

Doch schon seit der Einführung in 2009 gibt es eine Maulkorb-Geste, die Voiceover bei Bedarf sofort und angenehm diskret zum Schweigen bringt:

Sobald Voiceover, egal ob auf dem Homescreen oder innerhalb einer App, gerade unpassender Weise losplaudert, einfach mit zwei Fingern einmal irgendwo das Display des iPhones berühren. Voiceover wird sofort unterbrochen. Ein erneutes Berühren des Displays mit zwei Fingern setzt die Sprachausgabe wieder in Gang, und zwar genau an der Stelle, wo sie zuvor unterbrochen wurde.

Blind als Fußgänger im Straßenverkehr mit Sounds auf den Ohren? Besser nicht. Die Umgebungsgeräusche sind weg und der Verkehr kann sehr schnell zu einer höchst gefährlichen Erfahrung werden.

Doch was ist stattdessen mit Sounds vor den Ohren, sodass man nicht nur die Sounds, sondern auch die Umgebungsgeräusche wahrnehmen kann? Das geht durchaus, denn hier kommen Headsets mit Knochenleit-Technologie ins Spiel. Die Tonsignale des Gerätes, mit dem das Headset verbunden ist, werden dabei über speziell konstruierte Wandler aufs Schläfenbein übertragen. Dadurch werden sie gleichzeitig indirekt, also quasi als weitere Geräuschquelle, zusammen mit den bereits vorhandenen Geräuschen wahrgenommen.

Neben einigen kabelgebundenen Modellen sind heute die per Bluetooth-Anbindung arbeitenden Headsets besonders beliebt. Mein persönlicher Favorit ist das "auvisio Headset BC-40.sh". Neben den schon beschriebenen Eigenschaften verfügt dieses Headset über ein hohes Maß an mehrfach getesteter Wasserfestigkeit und einem überdurchschnittlich hohen Tragekomfort.

Das Headset erhalten Sie bei größeren Onlineversandportalen.

 

 

Über den Autor

Martin Kirchner

Martin Kirchner wurde im Jahr 1959 sehbehindert geboren und erblindete im Alter von zehn Jahren vollständig.

Sein Interesse an den vielfältigen technischen Aspekten von Hilfsmitteln für Blinde entwickelte er zwischen 1977 und 1979 während einer Ausbildung zum Klavierstimmer. In diesem Beruf war Kirchner bis 1993 erfolgreich tätig. Dann wechselte er als Kundensupport-Mitarbeiter für digitale Informationsmedien zur damaligen Stiftung Blindenanstalt Frankfurt, der heutigen Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Mittlerweile arbeitet Martin Kirchner in der Abteilung Soziale Rehabilitation der Stiftung. Er unterrichtet späterblindete Erwachsene in Punktschrift und im hilfsmittelgestützten Arbeiten mit Informations- und Kommunikationsmedien.

Bis heute ist Martin Kirchner unser kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Themenfelder elektronische bzw. digitale Hilfsmittel für blinde Ratsuchende. In dieser Funktion kann er von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen profitieren und sein Expertenwissen weitergeben.