Blind Foundation

Corona setzt der Musik Grenzen

Seit Beginn der Coronapandemie im März 2020 kann unsere inklusive Musikband Blind Foundation keine Liveauftritte mehr spielen, da alle Konzerte abgesagt werden mussten. Die Blind Foundation leidet extrem unter der Coronakrise und die finanziellen Verluste sind hoch. Die drei Musiker der Stammbesetzung konnten zwar im April 2020 noch Videomaterial für den Onlinekanal YouTube produzieren und danach andere Aufgaben in der Stiftung wahrnehmen, doch die Zukunft der Band ist leider ungewiss.

 

Im Jahr 2004 hat die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte das Projekt "Blinde Musiker" mit dem Ziel entwickelt, blinden und sehbehinderten Menschen die Möglichkeit zu bieten, ihren Lebensunterhalt als Musiker zu bestreiten und ein unabhängiges Leben zu führen. Im Rahmen dieses Projekts wurde die Band Blind Foundation gegründet.

Die Besonderheit der Blind Foundation besteht darin, dass sie aus zwei blinden und zwei sehenden Musikern besteht. Zur Stammbesetzung gehören:

- Markus Hofmann (Bandleader und Bassist)

- Florian Hollingshaus (Gitarre und Backgroundgesang)

- Manfred Scharpenberg (Schlagzeig und gleichzeitig Leadgesang)

Im Wechsel nach Verfügbarkeit spielen:

- Mohamed Metwalli und Jonas Hauer (Keyboard und Backgroundgesang)

 

Bei der Blind Foundation wird Inklusion aktiv gelebt. Dabei steht die Musik immer im Vordergrund, nicht die Sehbehinderung der Musiker. Das Musikrepertoire der Band ist von Jazz über Rock bis hin zu Weihnachtsliedern und Eigenkompositionen breit gefächert, was auf Veranstaltungen und Festen unterschiedlichster Art immer sehr gut ankam. Die Blind Foundation konnte sich nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland erfolgreich etablieren. So spielte die Band in der Vergangenheit in Belgien, Dänemark, Luxemburg, Österreich, Russland und Ägypten.


Der Song "Inklusion" wurde bei YouTube über 150.000 Mal aufgerufen.

Impressionen

Eschborn 2019

Bildnachweis: fotoeschborn.de / R. Wohlgemuth

Reisebericht

Die Blind Foundation in Marokko

3. November 2019
„Festival International des Musiciens Non et Malvoyants“
„Cinéma Espagnol“, Tétouan, Marokko
Veranstalter: „Association Louis Braille“, Tétouan

Abdel Rahim Bouzaidi (in Deutschland lebender Marokkaner, mit Veranstaltern befreundet) nahm im September Kontakt mit uns auf. Nach einem Treffen mit Vorstand und Musikern bekamen wir die Zusage für einen Auftritt beim Festival.

Freitag, 1. November 2019

9:45 Uhr Treffen mit Abdel Rahim, der uns begleitet, am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main. Mit dem ICE nach Düsseldorf, Regionalbahn nach Weeze, Bus zum Flughafen Weeze, Flug nach Rabat, Bus nach Tétouan.

Um ca. 23:00 Uhr kamen wir in einem Restaurant direkt am Mittelmeer an. Dort trafen wir uns mit den Veranstaltern und anderen Festivalteilnehmern. Es wurde ein üppiges Mahl mit Fischsuppe, Fisch- und Fleischtellern, Salat oder Pizza für Vegetarier serviert.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Hotel. Inzwischen war es 02:00 Uhr. Ziemlich erschöpft von der langen Anreise fielen wir ins Bett.

Samstag, 2. November 2019

Morgens wurden wir zu unserem Erstaunen nach unserem Equipmentbedarf gefragt. Eigentlich war dies schon im Vorgespräch geklärt worden. Nun scheint kein Mensch in Tétouan zu wissen, was ein E-Bass ist… Wir werden beruhigt. Alles soll besorgt werden und am nächsten Tag vor Ort sein. Wir sind sehr gespannt.

Am Abend besuchen wir das Festival. Eröffnet wird der zweite Konzertabend von einem Jazz-Duo aus den USA. Der Trompeter und Sänger William Robert McCann interpretiert Standards im Stil von Chet Baker. Begleitet wird er von einem jungen (ebenfalls blinden) Pianisten. Jeder Gruppe wird nach dem Konzert eine Art Orden verliehen. Die Moderation erfolgt auf Arabisch und auf Englisch. Das nächste Ensemble wird angesagt. Diesmal handelt es sich um ein Quartett mit einem blinden Keyboarder (Leiter), einem blinden Oud-Spieler und Sänger sowie einer sehenden Kanun-Spielerin (arabische Zither) und einem ebenfalls sehenden E-Drummer. Gespielt wird eine Mischung aus Folklore mit Pop-/Disco-Elementen.

Nach dem Konzert werden alle Teilnehmer mit Bussen wieder zum Restaurant vom Vortag gebracht.

Sonntag, 3. November 2019

Konzerttag! Aber vor 14 Uhr sollen wir erst gar nicht ins „Cinema Espagnol“ kommen, da die Instrumente erst geliefert werden müssen. So verbrachten wir den Vormittag mit Einkäufen und Bummeln auf dem Basar.

Kurz vor 14:00 Uhr stehen wir vor dem Konzertsaal und versuchen, durch Klopfen an die schweren Eingangstüren auf uns aufmerksam zu machen. Schlileßlich werden wir erhört. Gähnende Leere auf der Bühne! Doch einige Minuten später schleppen mehrere Männer diverse Kartons herein. Wir versuchen, uns einen Überblick zu schaffen. Nach einigen Minuten müssen wir feststellen, dass mit diesem Equipment kein „normales“ Konzert möglich ist. Die ziemlich alten Keyboards sind nicht gerade barrierefrei zu bedienen und klingen „mäßig“ geeignet für unsere Art Musik. Leider gibt es auch keine Pedale. Beim Schlagzeug ist zwar ein Ridebecken vorhanden, aber kein Ständer. Und tatsächlich wurde ein E-Bass aufgetrieben! Allerdings sind die Saiten rot vom Rost und zudem falsch aufgezogen. Der Bassverstärker gibt seltsame Geräusche von sich. Aber das Schlimmste: Es gibt keinen Gitarrenverstärker, geschweige denn irgendwelche Effekte. Die Techniker verstehen kein Wort Englisch und Mohamed ist so mit den Keyboards beschäftigt, dass er nicht intervenieren kann. Irgendwie schließen sie die Gitarre über abenteuerliche Adapterkonstruktionen an die PA an. Dementsprechend klingt es auch. Wir versuchen klar zu machen, dass wir Monitore auf der Bühne brauchen, worauf die halbe PA mit Subwoofer nach oben gestellt wird. Irgendwann schauen wir dem Treiben einfach nur noch zu und hoffen, dass irgendwie alles gut wird… Der Soundcheck lässt kaum Hoffnung aufkommen. Aber wir reißen uns zusammen und basteln ein Programm zusammen, das mit dem Equipment einigermaßen rübergebracht werden kann.

Der Konzertabend wird von einer tunesischen Sängerin (sehbehindert) und ihrem französischen Mann (blind) eröffnet. Sehr interessant, da das Klavier im ersten Teil in Vierteltönen gestimmt ist. Danach spielt ein Schweizer Querflöten-Solist (sehbehindert) zu Playbacks.

Nun sind wir dran. Große Ankündigung der Gäste aus Deutschland. Der Vorhang geht auf, obwohl wir noch gar nicht bereit sind. Die Mikrofone werden allmählich scharf gestellt und die Instrumente auf die PA geschaltet - ABER die Gitarre bleibt stumm! Verdutzt stehen wir auf der Bühne des gut gefüllten Saals und können nicht anfangen. Hektisch tauschen Techniker alles mögliche aus und basteln neue Adapter. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt ein Geräusch von der Gitarre - wir können endlich beginnen. Hochkonzentriert versuchen wir das Beste aus der Situation zu machen (nur nicht zu fest in die rostigen Saiten hauen, ja den richtigen Sound am Keyboard einstellen, daran denken, dass kein Ridebecken zur Verfügung steht). Es scheint zu gefallen: Rhythmisches Mitklatschen, Handylichter werden geschwungen, einige tanzen und es gibt ordentlich Applaus zwischen den Songs. Nach dem letzten Stück bekommen wir feierlich ein Andenken an die Teilnahme beim Festival überreicht.

Wir treten von der Bühne und steuern auf die Toilette zu. Man lässt uns aber nicht durch, die Presse überreicht uns ein Schreiben und fotografiert uns mit unterschiedlichen Personen. Dadurch ermutigt, kommen viele Konzertbesucher auf uns zu und gratulieren uns überschwänglich zu unserem Auftritt – natürlich werden eine Menge Selfies mit uns als Andenken geschossen. Das Ganze zieht sich eine knappe Stunde!

Zum Abschluss des Festivals werden wieder alle Mitwirkenden zu einem Restaurant gefahren. Diesmal gab es ein Buffet – was ziemlich spaßig ist, da ungefähr 80% der Personen blind oder sehbehindert sind.

Montag, 4. November 2019

Die Rückreise ist im Prinzip genauso kompliziert wie die Anreise mit einer kleinen Erleichterung: Diesmal fliegen wir vom näher gelegenen Flughafen in Tanger ab. Der Rest bleibt mit Bus, Regionalbahn und ICE ebenso beschwerlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es eine ganz großartige Erfahrung für uns war. Das Festival war wirklich hochkarätig besetzt und super organisiert! Dass das Equipment eher suboptimal war – Schwamm drüber. Wir hatten letztlich doch unseren Spaß und konnten uns gut präsentieren.

Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt und freuen uns, dass wir noch am Abend unseres Auftritts zu einem Festival in Casablanca eingeladen wurden!

 

Kontaktieren Sie uns gern, wenn Sie CDs erwerben möchten!

MOVE

Auf "MOVE", der vierten CD der Blind Foundation, finden Sie eine Vielzahl an Coversongs aus ihrem Partyrepertoire: Von Pop, Rock, Soul, Schlager bis hin zu Deutschrock aus unterschiedlichen Jahrzehnten ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Preis: 12,00 €

SMILE

Von John Lennon, über Sting, bis zu Jimi Hendrix finden Sie auf dieser CD verschiedene Coversongs aus dem ruhigeren Jazz/Pop Bereich.

Preis: 12,00 €

EMOTICONS

Eigenkompositionen der Musiker aus den Bereichen Rock und Pop.

Preis: 12,00 €

Schneeklänge

Alle Jahre wieder: Auf der CD "Schneeklänge" interpretiert die Band internationale Weihnachtslieder.

Preis: 10,00 €


Markus Hofmann

 

069 95 51 24 67

hofmann@sbs-frankfurt.de